Fast jedes Problem, das ein Angler mit der Fliegenrute hat, lässt sich auf den Überkopfwurf zurückführen. Er ist die grundlegende Bewegung, jene, auf der du Mending, Reach Casts und Rollwürfe aufbaust. Beherrschst du ihn sauber und konstant, wird aus einem holprigen Tag am Wasser ein guter. Die gute Nachricht für fortgeschrittene Werfer: Beim Überkopfwurf geht es nicht um Kraft oder ausgefallene Handgelenksarbeit. Es geht um Timing, eine gestoppte Rutenspitze und das Vertrauen darauf, dass die Schnur die Arbeit erledigt.
Wenn sich deine Schlaufen ständig öffnen, deine Schnur dir vor den Füßen liegt oder du immer wieder dieses Peitschenknallen hörst, das eine abgerissene Fliege bedeutet, dann ist dies der Wurf, den du verlangsamen und neu aufbauen solltest. Im Folgenden findest du eine Schritt-für-Schritt-Aufschlüsselung, die du auf dem Rasen üben kannst, bevor du überhaupt ins Wasser steigst.
Wie der Überkopfwurf tatsächlich funktioniert
Der Überkopfwurf funktioniert, weil eine Fliegenschnur Masse hat. Anders als beim Spinnfischen, wo ein beschwerter Köder die leichte Schnur von der Rolle zieht, ist beim Fliegenfischen die Schnur selbst das Gewicht, das du wirfst. Die Fliege fährt nur mit.
Du lädst die Rute, indem du die Schnur hinter dir beschleunigst (der Rückwurf), sie strecken lässt und sie dann nach vorne beschleunigst (der Vorwärtswurf) und die Rute knackig stoppst, sodass sich die Schnur in Richtung Ziel entrollt. Dieser Stopp ist das Wichtigste, was du tun wirst. Ein sauberer Stopp formt eine enge, energieeffiziente Schlaufe. Ein nachlaufender, schwammiger Stopp verschenkt Energie und öffnet die Schlaufe.
Zwei Prinzipien erledigen den Großteil der Arbeit:
- Die Rutenspitze bewegt sich während des Wurfablaufs auf einer geraden Linie, nicht in einem Bogen.
- Du beschleunigst gleichmäßig bis zu einem harten, abrupten Stopp, anstatt mit konstanter Kraft zu werfen.
Der Wurfbogen und das Zifferblatt
Die meisten Lehrer vermitteln den Wurfablauf anhand eines Zifferblatts, wobei du seitlich dazu stehst. Deine Rute stoppt etwa bei 10 Uhr beim Vorwärtswurf und bei 1 Uhr (oder knapp darüber hinaus) beim Rückwurf. Der Raum zwischen diesen beiden Stopps ist dein Wurfbogen.
Die entscheidende Erkenntnis ist, dass der Bogen für kurze Würfe kurz und für lange Würfe weiter sein sollte. Anfänger neigen dazu, für alles einen einzigen riesigen Bogen zu verwenden und die Rutenspitze zu weit nach hinten in Richtung 3 Uhr fallen zu lassen. Dieser tiefe Rückwurf ist der häufigste Grund, warum Schlaufen zusammenfallen und die Schnur hinter dir auf das Wasser klatscht.
Vorbereitung: Griff, Stand und Ausgangsposition
Bevor du den ersten Wurfablauf machst, bring deine Basis in Ordnung.
- Greife den Korkgriff mit dem Daumen oben, der zum Ziel zeigt. Der Griff mit dem Daumen oben gibt dir einen festen Stopp und hält die Rute auf gerader Bahn.
- Stehe mit den Füßen schulterbreit auseinander. Ein leicht versetzter Stand, bei dem der Fuß auf deiner Wurfseite hinten steht, lässt dich deinen Rückwurf beobachten, ohne dich zu verdrehen.
- Ziehe 6 bis 9 Meter Schnur von der Rolle und bring sie über die Rutenspitze hinaus. Du kannst keinen guten Wurf machen, wenn das Vorfach an deinen Ringen hängt. Mache zuerst einen Rollwurf oder schwinge sie hinaus, um Arbeitsschnur in die Luft zu bekommen.
- Senke die Rutenspitze zum Wasser und entferne jeglichen Durchhang. Der Wurf beginnt mit gestreckter Schnur und tiefer Spitze, nicht mit bereits angehobener Rute.
Durchhängende Schnur ist ein heimlicher Killer. Wenn zwischen Rutenspitze und Wasser ein Bauch lockerer Schnur liegt, nimmt deine erste Bewegung nur diesen Durchhang auf, anstatt die Rute zu laden.
Der Rückwurf
Der Rückwurf verdient den gleichen Respekt wie der Vorwärtswurf. Ein schlechter Rückwurf lässt sich auf dem Weg nach vorne nicht mehr retten.
- Beginne mit tiefer Rutenspitze und beschleunige gleichmäßig nach oben und hinten, so als würdest du Farbe von einem Pinsel schnippen.
- Lass die Beschleunigung weiter ansteigen und stoppe die Rute dann knackig bei etwa 1 Uhr. Lass die Rute nicht hinter dir nach unten driften.
- Lass die Schnur hinter dir gerade strecken, bevor du mit dem Vorwärtswurf beginnst. Das ist die Pause, an der die meisten Werfer scheitern.
- Drehe den Kopf und beobachte, wie sich der Rückwurf entrollt, bis du das Timing gefühlsmäßig gelernt hast.
Die Pause ist keine feste Zählung. Mehr Schnur in der Luft bedeutet eine längere Pause. Das Beobachten der sich entrollenden Schlaufe lehrt dich, den Moment zu spüren, in dem sich die Schnur streckt und sanft an der Rutenspitze zieht, was dein Signal ist, nach vorne zu kommen.
Der Vorwärtswurf und der Stopp
Sobald sich die Schnur hinter dir gestreckt hat, treibe nach vorne.
- Beschleunige die Rute gleichmäßig nach vorne, wobei dein Unterarm führt und nur ein kleines bisschen Handgelenk am Ende dazukommt.
- Stoppe die Rute hart bei etwa 10 Uhr. Stell dir vor, du wirfst einen Dartpfeil oder schlägst einen Nagel in eine Wand vor dir.
- Lass die Rutenspitze nach dem Stopp nach unten driften, um der Schnur zum Ziel zu folgen. Das ist das Ausschwingen, und es geschieht, nachdem sich die Schlaufe gebildet hat, nicht währenddessen.
Die Fliegenschnur rollt sich in einer Schlaufe über der Bahn aus, die deine Rutenspitze zurückgelegt hat. Hast du hoch und knackig gestoppt, ist die Schlaufe eng und dreht sich mit Nachdruck um. Hast du über den Stopp hinaus gedrückt oder die Spitze fallen lassen, öffnet sich die Schlaufe und die Fliege landet als Haufen.
Häufige Fehler und schnelle Lösungen
- Überschlagende Schlaufen (Tailing Loops) und Windknoten: meist zu viel Kraft zu früh angewendet oder ein ruckartiger Wurfablauf. Glätte die Beschleunigung.
- Schnur, die zu kurz aufstapelt: schwacher oder fehlender Stopp beim Vorwärtswurf. Mache den Stopp abrupter.
- Weite, träge Schlaufen: Die Rutenspitze hat sich in einem Bogen statt auf einer geraden Linie bewegt. Halte den Wurfablauf kompakt und die Spitze flach auf Bahn.
- Knallen und abgerissene Fliegen: Der Rückwurf wurde zu früh begonnen. Verlängere die Pause.
Übungen, um den Wurf einzuschleifen
Werfen lernst du auf dem Rasen, nicht am Fisch. Lege einen Zielreifen oder einen Hut in 9 Metern Entfernung aus und übe nur mit dem Vorfach und einem kleinen Stück Garn anstelle eines Hakens.
- Übe das Leerwerfen (False Casting), also das Halten der Schnur in der Luft durch wiederholte Rück- und Vorwärtswürfe, um das Timing zu spüren, ohne Schnur zu schießen. Beschränke dich am Wasser auf einen oder zwei Leerwürfe; mehr verscheucht nur Fische und riskiert Verhedderungen.
- Übe nur den Stopp. Mache zehn Würfe, bei denen du den abrupten Stopp an beiden Enden übertreibst. Spüre den Unterschied in der Schlaufe.
- Wirf eine ganze Übungseinheit lang mit dem Blick auf den Rückwurf, damit die Pause automatisch wird.
Abschließende Gedanken
Der einfache Überkopfwurf belohnt jedes einzelne Mal Geduld über Kraft. Baue ihn auf einer gleichmäßigen Beschleunigung, einer geradlinig geführten Rutenspitze, einem knackigen Stopp und einer Rückwurfpause auf, der du gelernt hast zu vertrauen. Übe diese vier Dinge so lange auf dem Rasen, bis sie sich langweilig anfühlen, und sie werden halten, wenn ein Fisch steigt und dein Puls es nicht tut. Sobald dieser Wurf sitzt, wird jede andere Technik beim Fliegenfischen zu einer kleinen Variation einer Bewegung, die du bereits beherrschst.



